Der goldene Buddha in uns.

Was, wenn dein Wert nie verloren gegangen ist?

Vielleicht kennst du dieses Gefühl:

Ich müsste noch etwas leisten.
Noch etwas lernen.
Geduldiger sein.
Stärker sein.
Mehr schaffen.
Besser funktionieren.

Dann wäre ich vielleicht endlich gut genug.

Der Gedanke, dass wir unseren Wert immer wieder neu beweisen müssen, sitzt bei vielen Menschen tief. Manchmal so tief, dass wir ihn gar nicht mehr als Gedanken erkennen, sondern als Wahrheit empfinden.

Doch was wäre, wenn es gar nicht darum geht, gut genug zu werden?

Was wäre, wenn etwas in uns bereits da ist?

Etwas, das nicht verdient, erarbeitet oder perfektioniert werden muss.

Etwas, das vielleicht einfach darauf wartet, wieder entdeckt zu werden.

Die Geschichte vom goldenen Buddha

Lienhard Valentin erzählt in seinem Buch “Die Kraft des Selbstmitgefühls” eine Geschichte aus dem alten Thailand, die mich genau deshalb so berührt.

Dort stand über viele Jahrhunderte eine riesige Buddha-Statue aus Ton. Sie war eindrucksvoll und wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Doch irgendwann zeigten sich Risse in der Statue. Mit der Zeit wurden diese immer größer, sodass eine Restaurierung notwendig wurde.

Als eines Tages ein besonders grosser Riss entstanden war, wollte einer der Mönche genauer untersuchen, was sich im Inneren befand. Er leuchtete mit einer Fackel durch den Spalt.

Und dann geschah etwas Überraschendes:

Im Inneren glitzerte es golden.

Bei genauerer Untersuchung stellte sich heraus, dass unter der dicken Tonschicht eine gewaltige Buddha-Statue aus purem Gold verborgen war.

Die Tonschicht war vermutlich in kriegerischen Zeiten angebracht worden, um die kostbare Statue vor Plünderern zu schützen.

Doch irgendwann geriet in Vergessenheit, was sich unter dem Ton verbarg.

Über Generationen sahen die Menschen nur die äußere Hülle.

Bis eines Tages ein Riss sichtbar machte, was darunter lag.

Vielleicht sind wir manchmal wie dieser Buddha.

Ich finde dieses Bild unglaublich kraftvoll.

Denn auch wir tragen Schichten.

Schichten, die im Laufe unseres Lebens entstanden sind.

Durch unsere Erziehung.
Durch Erfahrungen.
Durch Zurückweisung.
Durch Erwartungen.
Durch Verletzungen.
Durch Vergleiche.
Durch die Momente, in denen wir gelernt haben:
So, wie ich bin, bin ich offenbar nicht richtig.

Vielleicht haben wir irgendwann begonnen, uns anzupassen.

Leiser zu werden.
Stärker zu wirken.
Mehr zu leisten.
Niemanden zu enttäuschen.
Alles im Griff zu haben.

Und irgendwann verwechseln wir diese Schutzschichten mit unserem eigentlichen Wesen.

Wir glauben, wir seien unsere Unsicherheit.

Wir glauben, wir seien unsere Fehler.

Wir glauben, wir seien unsere Ängste.

Wir glauben, wir seien das, was andere in uns gesehen haben.

Doch vielleicht sind diese Dinge nicht unser Wesenskern.

Vielleicht sind sie Schichten.

Schutzschichten, die einmal einen guten Grund hatten, da zu sein.

Unser Wert muss nicht verdient werden.

Gerade unsere westliche Kultur ist in vielerlei Hinsicht stark von Vorstellungen geprägt, die den Menschen als grundsätzlich unvollkommen, fehlerhaft oder ungenügend betrachten.

Solche Prägungen können sich tief in unser Selbstbild einschreiben.

Dann wird das eigene Leben schnell zu einem ständigen Projekt der Selbstoptimierung:

Ich muss besser werden.

Ich muss mich weiterentwickeln.

Ich muss meine Schwächen überwinden.

Ich muss erfolgreicher, entspannter, achtsamer, schöner, produktiver oder ausgeglichener werden.

Selbst Persönlichkeitsentwicklung kann dann unbemerkt zu einem weiteren Ort werden, an dem wir uns selbst das Gefühl geben:

So, wie ich jetzt bin, reiche ich noch nicht.

Doch Selbstmitgefühl eröffnet eine andere Perspektive.

Es fragt nicht zuerst:

„Wie kann ich mich verbessern?“

Sondern:

„Wie kann ich mir jetzt begegnen – genau so, wie ich gerade bin?“

Unter den Schichten ist etwas geblieben.

Der goldene Buddha wurde nicht durch die Entdeckung zu Gold.

Er war es bereits.

Die Tonschicht hatte seinen Wert nicht verändert.

Sie hatte lediglich dafür gesorgt, dass er nicht mehr sichtbar war.

Vielleicht ist das auch ein hilfreiches Bild für unsere eigene Entwicklung.

Wir müssen unseren inneren Wert nicht herstellen.

Wir müssen unsere Würde nicht verdienen.

Wir müssen nicht erst „fertig“ werden, um liebenswert zu sein.

Vielleicht besteht ein Teil von Entwicklung vielmehr darin, die Schichten kennenzulernen, die sich um unseren Wesenskern gelegt haben.

Und vielleicht dürfen wir uns irgendwann fragen:

Was davon bin wirklich ich – und was habe ich irgendwann gelernt, sein zu müssen?

Ein Riss ist nicht immer ein Zeichen des Scheiterns.

Und hier bekommt die Geschichte für mich noch eine weitere Bedeutung.

Der Riss in der Statue war zunächst ein Problem.

Etwas war beschädigt.

Etwas musste repariert werden.

Doch genau durch diesen Riss wurde sichtbar, was die ganze Zeit verborgen gewesen war.

Vielleicht können auch unsere eigenen Risse manchmal zu solchen Öffnungen werden.

Eine Krise.
Eine Enttäuschung.
Eine Überforderung.
Eine Veränderung.
Ein Moment, in dem unser bisheriges Funktionieren nicht mehr trägt.

Das muss nicht bedeuten, dass wir gescheitert sind.

Manchmal beginnt genau dort eine tiefere Begegnung mit uns selbst.

Nicht weil das Leid „gut“ wäre.

Sondern weil es uns manchmal dazu bringt, genauer hinzusehen.

Und vielleicht entdecken wir dabei etwas, das unter all den bisherigen Vorstellungen von uns selbst schon immer da war.

Eine stille Revolution.

Wenn wir beginnen, unseren eigenen Wert nicht mehr ständig infrage zu stellen, verändert sich etwas.

Vielleicht werden wir milder mit uns.

Vielleicht können wir Fehler machen, ohne uns selbst abzuwerten.

Vielleicht können wir Grenzen setzen, ohne uns schuldig zu fühlen.

Vielleicht müssen wir nicht mehr jede Ablehnung persönlich nehmen.

Vielleicht können wir anderen Menschen begegnen, ohne ständig beweisen zu müssen, dass wir etwas wert sind.

Und vielleicht verändert sich dadurch auch unsere Beziehung zur Welt.

Denn wenn wir uns selbst nicht mehr permanent als ungenügend betrachten, müssen wir auch nicht mehr alles im Außen nutzen, um dieses Gefühl auszugleichen.

Das ist für mich eine Form von innerer Revolution.

Keine Revolution gegen uns selbst.

Sondern eine Befreiung von dem Glauben, dass mit uns grundsätzlich etwas nicht stimmt.

Vielleicht musst du nicht jemand anderes werden.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Fragen, die wir uns auf unserem Weg stellen können:

Was, wenn ich nicht jemand anderes werden muss, um wertvoll zu sein?

Was, wenn mein Wachstum nicht darin besteht, mich immer weiter von mir selbst zu entfernen?

Was, wenn Wachstum manchmal bedeutet, wieder näher zu mir zurückzukehren?

Schicht für Schicht.

Mit Geduld.

Mit Mitgefühl.

Mit Neugier.

Und vielleicht auch mit der Bereitschaft, die eigenen Risse nicht sofort wieder zuzuspachteln.

Denn vielleicht kann gerade durch einen kleinen Spalt etwas sichtbar werden, das lange verborgen war.

Dein Wert.

Deine Würde.

Dein grundlegendes Gutsein.

Der goldene Buddha war die ganze Zeit da.

Vielleicht ist es bei uns manchmal genauso.

Du musst deinen Wert nicht verdienen.

Vielleicht darfst du beginnen, ihn wieder zu entdecken.

Die Geschichte vom goldenen Buddha wird von Lienhard Valentin in seinem Buch „Die Kraft des Selbstmitgefühls“ aufgegriffen. Die Geschichte dient hier als Bild und Einladung zur persönlichen Reflexion.

Eine kleine Frage zum Mitnehmen.

Wenn du heute für einen Moment aufhörst, dich verbessern zu wollen:

Was könnte unter all den Schichten sichtbar werden?

Innehalten. Verbinden. Entfalten.

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI hergestellt und von mir redaktionell überarbeitet.

Bildquelle ©Pixabay_BuyMeACoffee

Weiter
Weiter

Nach den Ferien ist vor dem Alltag…